
Alchemy stellt insgesamt 15 Filtermodule mit mehreren Modi bereit. Diese lassen sich für Source-Pegel oder als Hauptfilter verwenden, die alle gerouteten Signale verarbeiten. Filter, die auf der Stufe der Source- oder Hauptfilter verwendet werden, wirken sich auf jede Stimme gesondert aus. Du kannst auch Filter im Bereich „Effects“ einfügen, diese sind jedoch monophon, wenn sie an dieser Stelle des Signalpfads verwendet werden, und wirken sich auf alle Stimmen (das Gesamtsignal) gleichzeitig aus.
Zwei Hauptfilter. Weitere Informationen findest du unter Alchemy-Hauptfilter-Steuerungen.
Vier Gruppen von drei Source-Filtern. Weitere Informationen findest du unter Alchemy-Source-Filter.
Ein MMFilter-Modul im Bereich „Effects“. Weitere Informationen findest du unter Alchemy-Filtereffekte.
Es gibt Dutzende von Filtertypen, unter denen in den Hauptfiltern und im MMFilter-Effektmodul gewählt werden kann.
Ein Lowpass-Filter (LP) übergibt den Teil eines Signals unter einer angegebenen Cutoff-Frequenz und dämpft den Teil über dieser Frequenz. Ein Bandpass-Filter (BP) übergibt den Teil eines Signals, das ein Band um die Cutoff-Frequenz herum belegt, und dämpft die Teile über und unter diesem Band. Ein Highpass-Filter (HP) übergibt den Teil eines Signals über einer angegebenen Cutoff-Frequenz und dämpft den Teil unter dieser Frequenz.
Es gibt mehrere LP-, BP- und HP-Filterdesigns in Alchemy, von denen jedes spezielle Charakteristika aufweist, die du vielleicht für einen bestimmten Zweck bevorzugst. Die verfügbaren LP-, BP- und HP-Filterdesigns beinhalten Folgendes:
Clean: Bi-Quad-Filter. Diese Filter haben keine Drive-Option. In früheren Alchemy-Versionen waren dies die BQ-Filter.
Edgy: Zwei- oder vierpolige analog-modellierte Filter. Bei vierpoligen Varianten werden Frequenzen unter dem Cutoff stärker gedämpft. In früheren Alchemy-Versionen waren dies die XP-Filter.
Gritty: Zweipolige Filter, die bei höheren Einstellungen für „Resonance“ und „Drive“ erheblich satter werden. In früheren Alchemy-Versionen waren dies die Bee-Filter.
Rich: Zwei- oder vierpolige analog-modellierte Filter. Bei vierpoligen Varianten werden Frequenzen unter dem Cutoff stärker gedämpft. In früheren Alchemy-Versionen waren dies die MG-Filter.
Sharp: Zweipolige analog-modellierte Filter. In früheren Alchemy-Versionen waren dies die K20-Filter.
Smooth: Zwei- oder mehrpolige State-Variable-Filter. In früheren Alchemy-Versionen waren dies die SVF-Filter.
Die drei Hauptfilter-Steuerungen haben Standardfunktionen für alle Filtertypen.
Cutoff: Steuert die Filter-Cutoff-Frequenz.
Resonance: Steuert die Filterresonanz oder -betonung. Höhere Einstellungen erhöhen Frequenzen nahe der Cutoff-Frequenz.
Drive: Ermöglicht die Übersteuerung des Filters; die genaue Auswirkung variiert je nach Filterdesign.
Ein Formant-Filter arbeitet wie ein Bandpassfilter mit einer potenziell sehr schmalen Bandbreite. Er ist darauf ausgelegt, einen Formanten bzw. eine feste Resonanz nachzuahmen, wie sie etwa vom Hohlkörper einer Gitarre oder der Form der Kehle (die beim Sprechen verändert wird, um unterschiedliche Vokalsounds zu erzeugen) erzeugt werden.
Cutoff: Steuert die Resonanzfrequenz des Formanten.
Amount: Steuert die Breite des Bandes, das die Resonanzfrequenz umgibt. Niedrige Werte erzeugen ein schmales Band, hohe Werte ein breiteres. Niedrige Resonanzwerte können wenig oder keinen Sound durch den Filter lassen.
Ein Notch-Filter beschneidet ein schmales Band um eine Resonanzfrequenz herum. Der Rest des Signals ist nur minimal betroffen.
Cutoff: Legt die Frequenz des Filterbandes fest.
Amount: Steuert den Umfang der Dämpfung.
Ein Peaking-Filter erhöht ein schmales Band um eine Resonanzfrequenz herum. Der Rest des Signals ist nur minimal betroffen.
Cutoff: Legt die Frequenz des verstärkten Filterbandes fest.
Gain: Steuert den Umfang der Verstärkung. Höhere Werte sind im Allgemeinen am wirksamsten.
BW: Legt die Bandbreite um die Cutoff-Frequenz herum fest.
Ein Kammfilter mischt das Originalsignal mit einer oder mehreren Kopien des Signals, die um ein sehr kurzes Zeitintervall verzögert werden. Bei manchen Frequenzen verursacht diese Mischung Phasenauslöschungen, während sie bei anderen Frequenzen Verstärkungen bewirkt. Das Ergebnis ist ein spitzes Frequenzspektrum mit mehreren Resonanzspitzen. Grafisch ähneln diese Spitzen den Zähnen eines Kamms, was diesem Filtertyp seinen Namen gibt.
Alchemy bietet drei Kammfilter mit jeweils eigenem Charakter. Die beste Wahl ergibt sich aus deinen persönlichen Vorlieben und aus der Art von Sound, die du erzeugen willst. Trotzdem weisen die drei Filter natürlich Unterscheidungsmerkmale auf, an denen du dich bei der Auswahl orientieren kannst.
„Comb Pos“ verwendet positives Feedback an den Delay-Lines, während „Comb Neg“ negatives Feedback verwendet, um weniger extreme Effekte, häufig hohl wirkend, zu erzeugen. Bei diesen beiden handelt es sich um weniger starke Kammfilter. Sie bieten einen langsameren Anstieg der Resonanz. Sie sind dann nützlich, wenn du entweder einen weniger drastischen Effekt benötigst oder wenn du den Charakter des Exciter-Signals in deinem Sound stärker wahrnehmen willst. Gerade der letzte Punkt ist von Bedeutung, denn diese Eigenschaft kann nützlich sein, wenn du einen natürlicher modellierten Sound erzielen möchtest.
„Comb PM“ verwendet bipolares Feedback an den Delay-Lines. Der Resonanzregler ist bipolar, sodass du die Steuerung frei vom negativen Bereich links (hohler Klang) zum positiven Bereich rechts (heller und spitzer Klang) ändern kannst. Dieser Kammfilter eignet sich für klassische, helle Sounds im Karplus-Strong-Stil, bei denen der Exciter-Impuls nicht leicht wahrnehmbar und der Kammeffekt ausgeprägter ist. Achte dabei aber auf deinen Resonanzpegel. Die Resonanz kann schnell extreme Werte erreichen, was zu Rückkopplungen führen kann. Fange mit einem Resonanzpegel von null an und erhöhe (oder reduziere) diesen langsam, um einen geeigneten Pegel für den Effekt zu finden.
Für das Instrument-Modeling ist es am besten, Kämme als Source-Filter zuzuordnen anstatt im Bereich für Master-Filter oder Effekte. Obwohl Kammfilter im Bereich für Master-Filter verwendet werden können, ist es besser, für die zusätzliche Verarbeitung die Hauptfilter zu verwenden. Kammfilter sind auch im Bereich für Effekte verfügbar, sie sind allerdings nicht polyphon. Daher erzielst du bessere Ergebnisse, wenn du sie früher im Signalpfad platzierst.
Cutoff: Steuert die Delay-Zeit im Kammschaltkreis. Niedrigere Cutoff-Werte ergeben ein längeres Delay.
F-Back: Steuert den Umfang des Feedbacks im Kammschaltkreis.
Damp: Glättet die Frequenzspitzen im Kammfilterspektrum.
Hinweis: Das Senden eines perkussiven Sounds an einen hoch resonierenden Kammfilter bewirkt, dass dieser bei einer durch die Delay-Zeit bestimmten Frequenz klingelt, die du mit dem Drehregler „Cutoff“ festgelegt hast.
Bei der Ringmodulation werden ein Modulator und ein Trägersignal multipliziert. Jede Frequenzkomponente des Modulators interagiert mit jeder Frequenzkomponente des Trägersignals, um zwei Seitenbänder zu erzeugen: eine Summe und eine Differenz (Träger - Modulator). Wenn ein Filter auf den Typ „RingMod“ eingestellt ist, verhält sich das in den Filter gespeiste Signal als Modulator, während der Träger intern durch den Filter bereitgestellt wird.
Frequency: Steuert die Trägerfrequenz.
Mix: Wendet einen konstanten Versatz auf den Träger an.
Bei 0 % variiert die Trägerwelle zwischen -1 und +1, was in einer klassischen Ringmodulation resultiert.
Bei 100% variiert die Trägerwelle zwischen 0 und 1, was in einer klassischen Amplitudenmodulation resultiert. In diesem Fall ist das Trägersignal selbst neben den Summen- und Differenzseitenbändern vorhanden.
Weird: Steuert die Trägerwellenform.
0 % ergibt ein reines Sinuswellen-Trägersignal. Verwende diese Einstellung, um charakteristische glockenartige Klangfarben zu erzeugen.
Bei über 0 % wird die Trägerwellenform progressiv abgeschnitten. Höhere Einstellungen erzeugen zusätzliche Seitenbänder, was üblicherweise zu geräuschhaften Klangfarben führt.
Alchemy-Filter bieten mehrere Verzerrungseffekte.
Bitcrusher ist ein rau klingender digitaler Effekt.
Downsample ist ein digitaler Lo-Fi-Effekt (ähnlich wie Bitcrusher, aber frequenzabhängig).
„Mech“ ist eine stärker metallisch klingende Verzerrung.
„Tube“ ist ein klassischer Tube-Verzerrungseffekt.
Hinweis: In den Source- und Hauptfilterbereichen erstellte Verzerrungseffekte sind polyphon, wobei jede Stimme getrennt verzerrt wird. Dies vermeidet unangenehme Intermodulationseffekte, wenn du Akkorde spielst. Im Gegensatz dazu verarbeitet das Modul „Distortion“ im Bereich „Effects“ am Ende des Signalpfads eine Mischung aller Stimmen.
Die Filter-Steuerungen arbeiten wie folgt, wenn der Filtertyp auf einen Verzerrungseffekt eingestellt ist:
Amount: Steuert die Intensität des Verzerrungseffekts.
Mix: Steuert die Mischung aus unverändertem und verzerrtem Signal. Ein Wert von 0 % ergibt ein völlig unverändertes Signal. Ein Wert von 50 % ergibt eine Mischung von unverändertem und verzerrtem Signal zu gleichen Teilen. Ein Wert von 100 % ergibt ein völlig verzerrtes Signal.
PreGain/Freq: Erhöht die Vorverstärkung. Legt die Frequenz für die Art der Downsample-Verzerrung fest.
Diese Werkzeuge stellen kreative Optionen in der Filterphase des Signalpfads bereit. Im Gegensatz zu dedizierten FM-Synthesizern gibt es bei Alchemy keine vorkonfigurierten Algorithmen oder eine Mod-Matrix-Konfiguration speziell für FM. Es ist aber optional möglich, eine große Anzahl von FM-Filtern in verschiedenen Reihen- und Parallelkonfigurationen zu verwenden. Darüber hinaus ist FM in Alchemy anders als klassische FM-Synthesizer. FM in Alchemy erinnert eher an die Verwendung von FM auf analogen Synthesizern, bei denen Oszillatorfrequenzen statt Phasen moduliert werden. Deshalb eignet sich FM in Alchemy hervorragend, um verschiedene Effekte sowie „natürliche“ verzerrte Strukturen zu deinen Sounds hinzuzufügen.
Die Filter-Steuerungen arbeiten wie folgt, wenn der Filtertyp auf „Compressor“ eingestellt ist:
Thresh: Legt den Pegelschwellenwert fest. Der Pegel von Signalen über diesem Wert wird verringert.
Ratio: Legt das Komprimierungsverhältnis fest. Dies ist das Verhältnis der Signalverringerung, wenn der Schwellenwert überschritten wird.
Gain: Legt den Umfang der auf das komprimierte Signal angewendeten Verstärkung fest.
Die Filter-Steuerungen arbeiten wie folgt, wenn der Filtertyp auf „FM“ eingestellt ist:
Freq: Legt die Trägeroszillatorfrequenz fest.
Tipp: Für klassische FM wähle den Drehregler „Freq“ durch Doppelklicken aus, um ihn auf die Mittenposition einzustellen. Klicke dann bei gedrückter Taste „ctrl“ auf den Drehregler und wähle „Add Modulation“ > „NoteProperty“ > „KeyFollow“ aus dem Kontextmenü aus.
Mod: Stelle den Wert ein, bis zu dem der Modulator (Source-Audio) die Carrier-Frequenz modulieren kann.
F-Back: Stelle den Wert ein, bei dem der Output des Carriers zurückgekoppelt wird.